Regulation In Motion
Irgendwie hat es sich ergeben, dass ich den Januar fast gar nicht auf Social Media verbracht habe. Das war nicht so geplant, es hat sich einfach so ergeben und ehrlich gesagt: Das tat sehr gut. Und je länger ich nichts geteilt habe, desto klarer wurde mir, dass das möglicherweise noch Teil der Schlangenenergie war. Die Schlange – das Sternzeichen des chinesischen Jahres 2025 – steht für Wandlung, Intuition und das Ablegen von Altem. Sie häutet sich ganz still und unspektakulär.
Und genau das habe ich im Januar gebraucht: Stille, Raum, kein Output, kein mich-zeigen und mich zeigen müssen. Im Januar habe ich mich und all meine Klassen dem Thema Orientierung gewidmet – überhaupt erst mal zu spüren, wo wir stehen. Wo bin ich gerade? Was ist? Was brauche ich? Und jetzt bewegen wir uns nach chinesischen Mondkalender auf das neue Jahr zu, das im Zeichen des Pferdes steht. Das Pferd bringt eine ganz andere Qualität: Bewegung, Auftrieb, Energie, Momentum. Es geht voran, es trägt und das mit Tempo. Und genau hier wird es interessant: Ich merke, dass ich bereit bin für Bewegung. Weil ich gewartet habe, bis mein System bereit war und nicht aus einem äußeren Zwang heraus. Bewegung entsteht, wenn wir aufhören zu pushen. Und genau darum geht es im Februar: Regulation in Motion. Wer sich orientiert hat, braucht als Nächstes die Fähigkeit, mit dem umzugehen, was sich zeigt. Wie reguliere ich mich trotz der Energie, des Tempos und der Veränderung ohne mich dabei zu verlieren?
WAS REGULATION WIRKLICH BEDEUTET
Der Duden definiert Regulation so:
1. Regelung von Vorgängen in lebenden Organismen (besonders innerhalb der funktionellen Einheiten wie der Systeme der Atmung, der Verdauung o. Ä.)
2. Selbsttätige Anpassung eines Lebewesens an wechselnde Bedingungen in der Umwelt Das Entscheidende an dieser Definition: selbsttätig und nicht gesteuert oder forciert. Eher wie eine intelligente Anpassung des Organismus an das, was gerade da ist.
Übertragen auf das Nervensystem bedeutet das: Regulation ist die Fähigkeit des Nervensystems, flexibel zwischen Zuständen zu wechseln – je nachdem, was die Situation braucht. Ein reguliertes Nervensystem kann aktivieren, ohne in Übererregung zu kippen. Es kann zur Ruhe kommen, ohne zu erstarren. Es passt sich an – selbsttätig – ohne dass wir es erzwingen müssen.
Das ist der Kern der Polyvagaltheorie: Regulation entsteht, wenn der ventrale Vagus aktiv ist – jener Teil unseres Nervensystems, der uns gleichzeitig sicher, verbunden und handlungsfähig macht. Von hier aus können wir Energie mobilisieren, ohne getrieben zu sein, und entspannen, ohne zusammenzubrechen. Dieser Zustand funktioniert als Ankerpunkt, zu dem wir immer wieder zurückkehren können.
Genau das ist der Unterschied zwischen:
Aktionismus (getrieben sein)
Erschöpfung (abgeschaltet sein)
und Regulation in Motion (präsent bleiben, auch in Bewegung) Regulation ist Verfügbarkeit und Präsenz.
Ein reguliertes System hat Zugang zu seiner Energie und kann handeln, ohne sich zu überfahren. Es kann auch pausieren – ganz von alleine und ohne sich zwingen zu müssen – bevor es zusammenbricht UND es kann in Bewegung bleiben ohne zu pushen.
IM ALLTAG KANN DAS SO AUSSEHEN
Du machst eine Pause, bevor du völlig am Ende bist, weil dein System dir früh genug signalisiert: Jetzt. Du spürst ein „Nein", bevor es hart werden muss, weil du die frühen Signale wahrnimmst. Du nutzt Energie, wenn sie da ist, ohne dich dafür zu pushen. Du hast einen Impuls, etwas anzupacken, und tust es einfach (das ist übrigens eins meiner Jahresmottos für 2026: einfach machen!), ohne vorher drei Gründe zu suchen, warum du es tun solltest solltest.
Das passiert, wenn dein Nervensystem reguliert ist: Du nimmst frühe Signale wahr, du kannst ihnen folgen und du musst dich nicht mehr überzeugen oder durchbeißen. Und genau das wollen wir gemeinsam im Februar üben: Du lernst, den Unterschied zu spüren zwischen „das ist unangenehm, aber okay" und „das ist zu viel". Du übst, Impulse wahrzunehmen, bevor du reagierst. Du lernst, mit innerer Aktivierung einfach zu sein, ohne sofort etwas damit machen zu müssen.
Und wie immer gilt auch hier: das was ich dir mitgebe, gebe ich in allererster Linie mir selbst mit. Ich gestalte meine Inhalte und Klassen immer nach dem Gesichtspunkt, was ich am Dringendsten brauche, was ich mir nicht so wirklich erlaube oder wo es in meinem System noch Lernbedarf gibt. We’re in this together.
DEIN GOODIE: GUIDED REGULATION PRACTICE
„Staying with Energy" – a guided practice for everyday regulation
Als Unterstützung für deinen Alltag findest du hier eine geführte Praxis (ca. 20 Minuten), die dich täglich oder punktuell unterstützen kann und dir hilft, frühe Signale wahrzunehmen und bewusst mit Energie umzugehen.